Der gefährlichste Hacker: Ihre Kollegin oder Ihr Kollege

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Chinesische oder russische Hacker haben es möglicherweise auf Ihre Daten abgesehen, sie sind jedoch bei weitem nicht die einzige und nicht einmal die größte Bedrohung für die Cybersecurity Ihres Unternehmens. Die meisten Unternehmen fallen wesentlich banaleren Techniken zum Opfer, etwa Social Engineering durch Phishing oder sogar Insider-Threads. Im letzteren Fall kommt die Bedrohung von innen, was jedoch nicht zwangsläufig bedeutet, dass Ihr Unternehmen mit einem böswilligen Maulwurf zu kämpfen hat. Gleichgültigkeit oder Ignoranz sind ebenso große Risiken. Wie wappnen Sie Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter dagegen? 

Eine vom Ponemon Institute durchgeführte Studie von IBM Security zeigt die Realität von Insider-Bedrohungen. Alle 204 befragten Organisationen waren im Jahr 2019 mindestens einmal einer Insider-Bedrohung ausgesetzt. Seit 2016 hat sich die Zahl der Fälle von Insider-Threats verdreifacht und die Kosten haben sich verdoppelt. 

 

Betrügerische Schmuggler und Opfer von Hackerangriffen 

Der Begriff ist sehr weit gefasst: Ein Insider-Threat ist jede digitale Bedrohung, die aus dem Inneren Ihres Unternehmens kommt. Möglicherweise haben Sie es mit einem verärgerten Mitarbeiter zu tun, der vertrauliche Daten wie Geschäftsgeheimnisse und geistiges Eigentum herausschmuggeln möchte. Es muss kein Geheimagent sein. Jemand, der sich dem Wettbewerb anschließt, ist realistischer. Oder vielleicht kommt ein unternehmungslustiger Kollege auf die Idee, sich mit dem Mining von Kryptowährungen über den Firmenserver ein paar Dollar dazuzuverdienen. Selbst wenn man die Sicherheitsprobleme außer Acht lässt, ist die Stromrechnung an sich schon ein Problem. 

Die Realität ist oft langweiliger. Denken Sie an eine mitarbeitende Person, die in die Falle eines externen Angreifers gerät und in gutem Glauben falsche Angaben macht oder Rechnungsdaten anpasst, sodass die nächste Zahlung an einen Lieferanten auf dem Konto des Kriminellen landet. Vielleicht missbraucht ein Hacker das Postfach Ihres Teammitgliedes, indem er sich mit dem einfachen Passwort anmeldet, das dieser seit 20 Jahren überall verwendet und das seitdem problemlos im Darknet zirkuliert. Der Angreifer muss nicht einmal ein erfahrener Hacker sein: Ein Dieb kann im Zug einen Firmenlaptop stehlen und so einigen Schaden im Unternehmen anrichten. 

 

Die richtigen Sicherheitstools 

Leider ist es allzu leicht, sich realistische Szenarien vorzustellen, in denen die Sicherheit Ihres Unternehmens von innen bedroht ist. Das ist besorgniserregend, denn die interne Sicherheit vieler Unternehmen ist darauf nicht ausgelegt. Aus Sicht der IT-Security liegt die Sicherheit noch immer zu häufig im Perimeter-Schutz: Um das Unternehmen herum steht eine große digitale Mauer, doch wer durch das Tor gelangt, hat praktisch freie Hand. Menschlich betrachtet sind Mitarbeiter:innen aus nachvollziehbaren Gründen weniger misstrauisch, wenn sie eine E-Mail mit einer Frage eines Kollegen erhalten. 

Die Lösung besteht ebenfalls aus zwei Teilen. Auf der technischen Seite ist es wichtig, nicht nur den Perimeter Ihres Unternehmens, sondern auch vertrauliche Daten, Endpoints und das Netzwerk zu sichern. Stellen Sie sicher, dass die Rollen der Mitarbeiter klar definiert sind und sie nur über die unbedingt erforderlichen Zugriffsrechte verfügen. Nicht jeder soll sich von zu Hause aus auf den Server mit den Betriebsgeheimnissen einloggen können, und der Praktikant, der kommt, um digitale Fotos zu organisieren, braucht sicherlich keinen Zugang zum Supercomputer in Ihrem Keller. Mit der richtigen Software können wichtige Dateien überwacht werden. Auf diese Weise wird ein Alarm ausgelöst, wenn jemand versucht, Daten über eine externe Festplatte oder eine E-Mail an eine persönliche Adresse abzugreifen. Verschiedene Sicherheitsspezialisten, aber auch Microsoft selbst, verfügen hierfür über praktische Software. 

 

Schulung und Tests 

Technische Lösungen helfen vor allem gegen betrügerische Insider, die wirklich böse Absichten haben. Für andere Formen von Insider-Bedrohungen ist es wichtig, das Bewusstsein Ihrer Mitarbeiter zu schärfen. Das ist leichter gesagt als getan. Eine Threat kann zwar von überall her kommen, aber eine Kultur des tief verwurzelten Misstrauens gegenüber den Kollegen an der Kaffeemaschine bringt ihre ganz eigenen Probleme mit sich. Glücklicherweise gibt es einen Mittelweg. 

Erhalten Sie eine E-Mail von Ihrem Kollegen mit der Bitte, die Rechnungsdetails eines wichtigen Kunden zu aktualisieren? Gehen Sie dann zu seinem Schreibtisch oder rufen Sie zur Bestätigung kurz über Teams oder Zoom an. Fordert jemand Zugriff auf bestimmte Dateien oder einen Server an? Überlegen Sie dann, warum die Frage gestellt wird, und klären Sie die Frage noch einmal mit Ihrem Vorgesetzten und dem betreffenden Kollegen ab. Es kann einen guten Grund geben, warum der Person von der IT kein Zugriffsrecht gewährt wurde. 

Dieses Bewusstsein schafft man nicht durch ein einzelnes Seminar. Organisieren Sie Schulungen und testen Sie die Leute regelmäßig, sodass eine doppelte Kontrolle zum Reflex wird, wenn es um Geld oder sensible Daten geht. Jedem muss klar sein, dass eine Information nicht zwangsläufig verlässlich ist, nur weil sie von einer seriösen E-Mail-Adresse stammt. Betonen Sie, dass es nicht darum geht, den Kollegen zu misstrauen, sondern gemeinsam dafür zu sorgen, dass kein hinterhältiger Angreifer das Teambuilding-Budget und die Baupläne für einen revolutionären neuen Elektroroller stiehlt. 

 

Quelle: https://phished.io/en-uk/blog/the-most-dangerous-hacker-your-colleague